logo

Das Drachenamulett

amulett

Autor: Martin Wolfgang Dierolf aka Sturmfeder 1999
Seiten: -
Erscheinungsjahr: t.b.a.
Verlag: t.b.a.
Genre: Fantasy

 

 

Vorwort

Der junge Thronerbe Eor trifft durch einen unglücklichen Umstand auf den schwarzen Drachen Grym, der etwas über sein Amulett zu wissen scheint. Durch Zufall besiegt er diesen im Kampf und gewinnt so einen Begleiter für seine Reise. Als der König schließlich durch Verrat stirbt muss sich Eor zwischen dem Königsthron und dem einsamen Leben mit dem Drachen entscheiden. Die unkomplizierte Fantasy-Geschichte von Martin Wolfgang Dierolf sucht die Darstellung zwischen Drache und Mensch in ein anderes Licht zu rücken. Bewusst werden die Rollen von Gut und Böse vertauscht um Drachen als das darzustellen, was sie in seinen Augen sind. Einzigartige, friedliche Wesen die auf ihre Weise unter Menschen leben. "Das Drachenamulett" ist der zweite Roman des Autors, der schon seit vielen Jahren ein spezielles Interesse für Drachen hat.

Kapitel 1 (von 18)

Dichte Nebelbänke zogen diesen Morgen über das feuchtglitzernde Gras. Unzählige Wassertropfen krönten wie winzige Perlen die Spitzen der grünen Halme und ließen die Wiese aus der Ferne wie ein See aus glitzerndem Silber erscheinen. Der Boden wäre fast eben verlaufen, würde nicht an manchen Stellen die fast völlig glatt geschliffene Oberfläche kleinerer Felsen hervorstechen. Ein Ergebnis jahrelanger Witterungseinflüsse.
Infolge des unvermutet und kräftig einsetzenden Regens versiegte die gewaltige Menge natürlich kaum. So bedeckten schnell Pfützen bis hin zu kleinen, flachen Teichen das Gebiet und ließen den Eindruck einer einzigartigen Seenlandschaft aufkommen.
Nur wenige Sonnenstrahlen durchdrangen die graue, schwer am Himmel stehende Wolkendecke und es sollte auch den ganzen Morgen lang trüb und feucht bleiben.
Doch immerhin lichtete der Nebel sich bereits an manchen Stellen und ließ die Schemen vereinzelter Bäume oder Felsen der näheren Umgebung auftauchen, was die Orientierung nicht gänzlich unmöglich machte. Trotzdem verzichteten an diesem Morgen die meisten der hier ansässigen Tiere bereitwillig auf ihre üblichen Aktivitäten. Nur gelegentlich drang der klagende Laut eines einsam am Himmel dahin gleitenden Falken durch das trübe Grau und trotzte dem ungünstigen Jagdwetter. Hoch über den für ihn undurchschaubaren Nebelbänken zog er seine Kreise, bis auf einmal ein äußerst unzufriedener Laut die Stille zerriss.
Ein paar hundert Meter weiter, in Richtung eines alten, mit saftigem Moos überwuchertem Hügels, lag der große Eingang einer teilweise eingestürzten Höhle. Hier stützten zwei größere Felsblöcke die Decke nach oben hin ab und erlaubten den unsicheren Durchgang. Der Boden dahinter senkte sich leicht etwas ab und endete schon nach wenigen Metern in einem kleinen Raum. Ein weiterer Weg der tiefer hinein führte, war vor langer Zeit schon eingestürzt. Die über Jahre hereingespülte Erde, die sich inzwischen mit Feuchtigkeit vollgesogen hatte, bedeckte den Grund völlig und schon fast verwischte Spuren zeugten von der seltenen Benutzung durch Tiere. Nur eine davon war frisch und durchaus größer als die anderen.

Unglücklich biss Grym die Zähne aufeinander und stieß einen Schwall heißer Luft durch seine Nüstern. Dieses Wetter war ein ziemliches Unglück für ihn. Doch eigentlich gab es keinen wirklichen Grund sich zu beschweren. Immerhin lies sich überhaupt noch ein Unterschlupf auftreiben, bevor der Regen richtig eingesetzt hatte. Der offensichtliche Nachteil einer zu kleinen Höhle entging ihm dabei zwar nicht, ließ sich aber gerade noch ertragen.
Seufzend verlagerte er sein Gewicht auf die andere Seite. Dabei scheuerten die harten Schuppen seines an sich schlanken Körpers, der auf den ersten Blick wie eine zu groß gewordene Echse aussah, eindringlich an den Wänden entlang. Die lederartigen Flügel, die er so dicht es ging an dem ebenfalls völlig schwarzen Körper angelegt hatte, ließen sich noch nicht einmal leicht ausbreiten. Nur sein Schwanz, der zwar länger als der restliche Körper war und vom Ende bis zum fast spitz zulaufenden Maul eine Reihe Dornen ähnlicher Spitzen aufwies, ließ sich anfangs recht bequem ausstrecken. Doch um ihn dann vor dem hereinsickerndem Wasser zu schützen, hatte der junge Drache ihn immer mehr einrollen müssen, was hier gar nicht so einfach war.
Doch all die Unannehmlichkeiten traten angesichts des schlammigen Bodens mehr und mehr in den Hintergrund. Sein ganzer Unterleib wurde hier feucht und schmutzig. Jedes Mal, wenn er eines seiner in scharfen Krallen endenden Beine anhob, wurde ein schmatzendes Plopp erzeugt. Da die Reinigung der Schuppen viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, achtete ein Drache normalerweise sehr darauf wohin er sich begab, aber das aufwendige Reinigen bedeutete im Angesicht der feuchter werdenden Umgebung nichts.
Aufmerksam legte er den Kopf wieder auf eine einigermaßen trocken gehaltene Stelle und stieß einen Schwall heißer Luft zwischen den spitzen Reißzähnen hervor. Besorgt musterten seine schlitzartigen gelben Augen, welche für Drachen seiner Abstammung typisch waren, die feucht glitzernde Oberfläche seiner Schuppen. Es wurde Zeit, dass das Wetter besser wurde und vor allem trockener.
Grym war als Feuerdrache geboren. Natürlich beschrieb dieser ehemals von Menschen geprägte Begriff nur, dass er in der Lage war einen Feuerstrahl zu erzeugen. Viel mehr wusste man inzwischen nicht mehr über seine Rasse. Dieses Wissen ging über die Jahrhunderte verloren und da sich seine Rasse mehr und mehr zurückzog, trafen sich Mensch und Drache auch weniger. Feuerdrachen waren sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit und wurden als Folge ihrer meist schnell und oft unheilbar krank. Schon viele von ihnen, meist Drachen in seinem alter, waren in Unwettern umgekommen. Doch wie die Ironie es wollte, benötigte selbst ein Feuerdrache hauptsächlich viel Trinkwasser, welches ihnen innerlich aber keinen Schaden anrichtete.
Ein Mensch würde sich nun wundern, warum er die Höhle nicht mit seinem Feuer trocken hielt und sich so selbst schützte. Dies wäre aber eine reine Verschwendung seiner Kraft gewesen. Er konnte nicht ständig Feuer speien. Seine körperlichen Reserven und seine Ausdauer legten auch ihm Grenzen auf.
Nach seiner leider falschen Einschätzung, sollte es noch ein oder zwei Tage nicht regnen. Lange genug, um zu ihrer Höhle zurückzufliegen. Seine Geschwister und Neak, sein Vater, würden sich schon Sorgen machen. Doch Grym war noch relativ jung und hatte die Wetterlage zu seinen Ungunsten falsch beurteilt. Ein unter Umständen tödlicher Fehler. Aber dies sollte ihm das letzte Mal unterlaufen sein. Wieder musste er sich über die kleine Unterkunft freuen, die ihm einigermaßen Schutz bot. Nun durfte nur die vorherrschende Feuchtigkeit nicht ausreichen um ihm zu schaden. Doch ganz gleich was geschehen würde, er hatte sich durch diesen Fehler Ärger eingehandelt. Sein Vater missbilligte solch leichtsinniges Verhalten völlig zurecht und bestrafte dieses hart.


zurueck

Impressum i

banner_krahssahn